06 12 05 260 W - + 9 - 5 Nochmal Türkei

Die NZZ schreibt:

Die Journalistin der liberalen Tageszeitung «Radikal» Nese Düzel ist in der Türkei für ihre unerschrockenen Interviews zu Tabuthemen in der Öffentlichkeit beliebt und von ihren Gesprächspartnern oft gefürchtet. Am Montag veröffentlichte sie ein Gespräch mit dem für Sport und Jugend zuständigen Staatsminister Mehmet Ali Sahin über das Skandalspiel Türkei - Schweiz. Er habe schon nach dem Spiel in Bern geahnt, dass es in Istanbul zu Ausschreitungen kommen werde, sagte er. Einige Vorstandsmitglieder des türkischen Fussballverbandes hätten schon nach dem 0:2 im Stade de Suisse gedroht, sie würden es den Schweizern in Istanbul noch zeigen. «Auf dem Rückflug in die Türkei mahnte ich die Zuständigen, dass Ausschreitungen schlecht für das Image der Türkei seien.» Einen Tag vor der Partie soll Sahin auch den Präfekten Istanbuls vor Vorfällen gewarnt und um zusätzliche Sicherheitsmassnahmen gebeten haben. Umsonst.

Im Gespräch bestätigt der Minister, dass der für die Nationalmannschaft zuständige Berater Davut Disli zwei Schlägertypen den Zugang zu den Katakomben des Fussballstadions ermöglicht habe. Davut Disli ist mittlerweile die Verkörperung für die Kontakte des türkischen Fussballs mit der Mafia schlechthin. Er soll auch Telefongespräche mit dem berüchtigten Boss des organisierten Verbrechens, Sedat Peker, geführt haben, die offenbar vom türkischen Geheimdienst MIT aufgezeichnet und unlängst in der Tageszeitung «Milliyet» veröffentlicht worden sind. Der Sportminister hat von diesen Gesprächen allerdings erstmals von der «Milliyet» erfahren.

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