03 11 05 338 W - + 6 - 4 Deutschland, einig Bauernstaat

Die FAZ beweist einmal mehr ihre hohe Qualität im Sportteil durch einen erneut hervorragenden Artikel zur Dummheit des deutschen Fußballs bzw. vieler seiner handelnden Personen. Es geht um die Dissertation von Gonzalez, der vor ein paar Wochen ja auch schonmal bei Buschmann im DSF zu Gast war:
Aber immerhin ist es jetzt, womöglich zum ersten Mal, gelungen, den undurchlässigen Vorhang zu heben, hinter dem sich der Profifußball abschottet. Aus der "Black Box" Bundesliga dringt nichts heraus, aber eben auch nichts hinein - schon gar nicht neue Erkenntnisse aus der Sportwissenschaft, die dem Fußball seit je verdächtig ist. Symptomatisch - und verräterisch - waren die empörten Reaktionen der Liga auf das Klinsmannsche Fitnessprogramm im Kreis der Nationalmannschaft. Der Saarbrücker Sportmediziner Professor Wilfried Kindermann, der seit langem die Nationalspieler medizinisch betreut, sagt: "Offensichtlich interessiert nicht, was gemacht wird, sondern daß sich jemand erdreistet, andere Wege zu gehen."
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Im deutschen Fußball aber herrscht vielerorts das Prinzip Bauchgefühl. Die meisten Bundesligatrainer sind jenseits der 50, sie verlassen sich oft auf das, was sie einst als Profis selbst im Training erlebt und erfahren haben. Und es war eben schon immer so, daß während der Saison einmal am Tag trainiert wird - als ob ein Tagespensum von vier oder fünf Stunden, in nahezu allen anderen Sportarten üblich, Fußballprofis schaden würde.

Gonzalez kam bei seiner Untersuchung auf einen statistischen Mittelwert von zehn Stunden pro Woche; da es sich um Selbstauskünfte der Klubs handelt, dürfte der tatsächliche Trainingsumfang eher niedriger sein. Athleten und Trainer aus anderen Sportarten haben sich schon immer gefragt, wie es die Fußballer schaffen wollen, sich mit anderthalb Stunden Training pro Tag zu verbessern - in Schußtechnik, Taktik, Zweikampfverhalten, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit. Um diese Frage beantworten zu können, braucht man kein Sportwissenschaftler zu sein: Man muß sich die Spiele in der Bundesliga nur anschauen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.10.2005. 

Mehr braucht man dazu dann eigentlich nicht mehr zu sagen.