03 10 05 565 W - + 6 - 2 Suum cuique
Hertha 1, Werder 2. Oberlippenbartflaumträger in der U-Bahn 0, Ich 1.
Alles in allem also ein gelungener Samstag. Und endlich mal
Gerechtigkeit. Während die Berliner noch rumheulen, dass ihr
Schwalbenkönig dieses Mal keinen Elfer bekommen hat (obwohl das
durchaus vertretbar gewesen wäre), vergessen sie darüber aber völlig,
dass sie einfach zu schlecht waren. Wieso das?
Ganz einfach: Berlin hat keinen Sturm, sie hätten gegen unsere
Notfall-Defense (Pasanen, van Damme und Andreasen verletzt, Uwe Moyela
nicht richtig fit) mindestens drei Tore machen müssen. Berlin ist, ganz
entgegen der Meinung vieler sogenannter Fachleute, auch im Mittelfeld
nur Mittelmaß. Marcelinho ist stark, Bastürk auch, wenn er nicht grade
auf dem Boden liegt. Aber ansonsten kommt da nichts konstruktives, kein
Kombinationsspiel, nichts. Der beste Mann bei Berlin war am Samstag
Christian Fiedler, das sagt alles. Wenn man das gesamte Spiel
betrachtet, so war Werder fußballerisch klar die bessere Mannschaft:
gepflegtes Passspiel, herausgespielte Chancen. Wie das bei sehr jungen
und zudem noch ersatzgeschwächten Teams nunmal so ist, haben sie sich
durch einige Fehler selbst in Bedrängnis gebracht und Berlin zu einigen
Spielanteilen verholfen. Selbst war Hertha, bis auf ganz wenige Momente
(z.B. das gute Doppeln gegen Frings, das zur Balleroberung und zum Tor
führte), nicht in der Lage, irgendetwas Keatives zu tun. Einzige
Lichtblicke waren die Einzelleistungen von Marcelinho und
Schwalbentürk. Fairerweise muss man dazu sagen, dass Pantelic noch
nicht lange dabei ist und man schon gemerkt hat, dass die Laufwege noch
nicht stimmen, er ist oft zu früh gestartet und stand dann im Abseits.
Zu diesen diversen Mängeln bei Hertha kam dann noch die
Angsthasen-Taktik ihres Trainers. Man muss sich das mal vorstellen: Ein
Möchtegern-Bayernjäger spielt zu Hause gegen eine scheinbar
verunsicherte, ersatzgeschwächte Mannschaft mit Defensivproblemen. Was
macht Götz? Er spielt mit einem Stürmer und zwei defensiven
Mittelfeldspielern (zum ersten Mal in dieser Saison Kovac und Dardai).
Hertha führt irgendwann 1:0, Werder wackelt hinten. Was macht Götz? Er
wechselt den einzigen Stürmer aus und bringt mit Samba einen
unerfahrenen Nicht-Stümer (keine Ahnung was der spielt, kenne den
nicht). Das nennt man Angsthasenfußball. Die Strafe folgte auf dem Fuße
Borowskis. Schaaf wechselt mit Jensen endlich mehr spielerische
Qualität ein (Vranjes war bis dahin auch eher durch Fouls und
Zerstörung aufgefallen) und Werder spielt nicht etwas mit der
Brechstange, sondern richtig feine Kombinationen. Berlin nur noch
hinten drin, da keine Stürmer mehr ... . Bezeichnend auch die Szenen
nach dem 1:1 (nach Kopfballabwehr in die Mitte durch Samba übrigens
...): Die Werder-Spieler holen den Ball aus dem Netz, wollen das Spiel
schnell machen, wissen, sie können hier noch gewinnen. Wie viele
Auswärtsmannschaften machen so etwas? Und wie viele Heimmannschaften,
die oben mitspielen wollen, haben so viel Schiss? Werder kombiniert
weiter und Valdez knackt den Hochsprung-Weltrekord (s.
http://photodb.kicker.de/photodb/ecards/10303/det/Valdez_Friedrich.jpg).
Der schöne Falko sollte also nicht so sehr auf den Schiri schimpfen,
sondern sich lieber fragen, warum er so defensiv spielte, seinen
einzigen Stürmer auswechselte und die Hosen voll hatte? Und bitte kein
whinging about the UEFA-Cup Belastung. Dazu habe ich ja früher schonmal
was geschrieben und Hertha hatte nun bestenfalls ein besseres
Trainingsspiel gegen die Zyprioten, das nach 30 Minuten vorbei war. Da
kann keiner müde gewesen sein, oder die arbeiten extrem unprofessionell
bei Hertha.