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+ 1 - 0 | § Geahndet als Majestätsbeleidigung, Die deutsche Ideologie

Die Schweizer mögen zwar viele Defizite haben, aber die NZZ ist trotzdem eine der besten Zeitungen Europas. Und sie können sogar wahre und intelligente Dinge über Fußball und Deutschland schreiben, da muss man hierzulande lange suchen. 

(...) Den Zustand des deutschen Fussballs erfasst man am besten mit Blick auf seine selbst ernannten Herzstücke, die «Bild»-Zeitung und den FC Bayern. Punkto Grössenwahn ist der Klub konkurrenzlos. An der Spitze Hoeness, ein Kampagnen-Macher, der sich nicht die kleinste Einfluss- Chance entgehen lässt. Doch weder in der Torwartfrage noch sonst hat Klinsmann auf die Bayern und auf «Bild» gehört. Dies wird geahndet als Majestätsbeleidigung. Klinsmann ignoriert all das, so gut es geht, und bezieht dafür Prügel. Dabei sind der FC Bayern und seine Führung das grösste Hindernis für eine Entwicklung des deutschen Fussballs auf ein höheres spielerisches Niveau: indem Hoeness gezielt jede Konkurrenz kaputt kauft und die eingekaufte Spielintelligenz unter Durchschnitts-Trainern wie Felix Magath nicht selten auf der Bank verhungern lässt. (Eine Ausnahme war Ottmar Hitzfeld.) Hoeness' Verfahren ist ohne Frage effektiv. Bloss: Er schwächt damit systematisch die deutschen Vereine im europäischen Vergleich. Das Nationalteam interessiert die Bayern nur in dritter Linie, als Wertsteigerungs- und Propagandainstrument für die eigenen Spieler und des eigenen Einflusses auf das Fussballgeschehen im Land.

Dieser Einfluss ist allerdings sehr geschwunden. Konnten die Deutschen «unter Matthäus» oder früher «unter Beckenbauer» als Münchner Ableger gelten, so wäre es heute nur noch Ballack (an der WM nicht mehr Bayern-Spieler), der diese Fahne hochhalten könnte. Neben Ballack wäre es Kahn gewesen. Genau deshalb propagierten die Bayern Kahn als die gottgewollte Nr. 1. Genau deshalb wollte Klinsmann Kahn eben nicht in dieser Position. Das war eine Entscheidung gegen die beanspruchte Bayern-Dominanz.

Bleibt der überforderte Basti Schweinsteiger; den Magath zum halben Reservisten degradiert hat. Magaths Umgang mit Schweinsteiger kann man nur als offene Destruktionspolitik gegenüber Klinsmanns Präferenzen bezeichnen. Irgendeine Hilfe bei der Vorbereitung der WM hat Klinsmann aus der Ecke Bayern nicht erhalten. Ist es Neid? Ist es Bösartigkeit? Ist es provinzialistische Grossmanns-Beschränktheit? Ich weiss es nicht. Ich sehe nur die Scherbenhaufen, die sie systematisch in die Landschaft stellen. (...) 

(NZZ 27. Mai 2006

(...)

Man streitet sich immer noch darüber, wann die Deutschen den hässlichsten Fussball gespielt haben. Die Auswahl ist zu gross. Die WM 1982 steht aber hoch in Kurs: Da gab es das Skandalspiel in Gijon, mit dem Nichtangriffspakt gegen Österreich, und den auf schreckliche Weise gewonnenen Halbfinal gegen die himmelstürmenden und phantasievollen Franzosen. Das tumbe Herumtorkeln von Horst Hrubesch, nachdem er den entscheidenden Elfmeter verwandelt hatte, sagte alles über das ästhetische Selbstverständnis der Deutschen aus. Die Erklärungsnot wurde damals immer grösser. Man musste einen plausiblen Grund dafür finden, warum das alles so war.

Genau in dieser Situation erfand ein im internationalen Massstab eher bescheidener Soziologe namens Niklas Luhmann die «Systemtheorie». Die kam wie gerufen. Es war die Zeit, als Helmut Kohl gerade Bundeskanzler geworden war und sich ein klebriger fahler Mehltau über die bundesdeutsche Gesellschaft legte. Entscheidend war, wie ein Ausspruch Kohls lautete, «was hinten rauskommt». An den Universitäten wurden die letzten Reste einer «kritischen Theorie» beseitigt; die «Systemtheorie» löste sie als Modedisziplin ab. Und sie besagte: Es kommt überhaupt nicht darauf an, wie gut einer Fussball spielt. Es geht nicht um individuell herausragende Leistungen. Es geht einzig und allein darum, sich effektiv ins System einzufügen. (...) 

Mittlerweile arbeitet man fieberhaft daran, die deutsche Ideologie zu modernisieren. Beim 1. FC Köln zum Beispiel war in dieser Saison ein um die internationalen Standards wissender Neuerer namens Uwe Rapolder tätig. Er führte die Begriffe «Systemfussball» und «Konzeptfussball» im Munde. Dass sich der einzelne Spieler einem wissenschaftlich untermauerten Konzept unterordnen sollte, dass jeder für jeden laufen sollte, war hier Programm. Als Köln schliesslich hoffnungsloser Tabellenletzter war, sagte der herausragende Einzelkönner Lukas Podolski verzweifelt: «Es geht hier nicht um Systemfussball oder irgendeinen Dreckscheiss.»

Doch solange die deutschen Reporter unisono von «brotloser Kunst» reden, nur weil ein Brasilianer am Ball ist, wird alles beim Alten bleiben. (...) 

(NZZ 27. Mai 2006)

+ 1 - 0 | § Word up!

Von der taz halte ich nichts, doch ab und zu findet selbst das blindeste Huhn ein Korn. So nun auch die taz am 29.5.2006 in der Kolumne von Peter Unfried.

+ 1 - 0 | § WM nochmal

Fuck Anheuser Busch - Monty Python haben es schon vor ca 20 Jahren gewusst:

We find your American beer is a little like making love in a canoo - it's fucking close to water.

+ 1 - 0 | § Nichts als die Wahrheit

Süddeutsche Zeitung strikes again. Die Frage ist: Wann wird die FIFA denen entweder einen Attentäter schicken oder versuchen, sie juristisch zu ruinieren? Liebe Selbstmordattentäter, allgemein mag ich euch ja nicht, aber ihr könntet euch am 9.6. die Sympathien von Millionen Fußballfans erwerben: Eine Nagelbombe für Sepp Blatter, die FIFA- und DFB-Funktionäre und Napalm auf die Allianz-Arena. Bitte!

Auszüge aus dem SZ-Artikel "Ausverkauf: WM für Bosse und Bonzen":

(...) Deutschland wird fremdbestimmt von Fifa und Sponsoren, entrechtet und geknebelt wie ein kolonisiertes Land.
Das ist der politische Preis dafür, die WM austragen zu dürfen, deren Betreibern, einer eher lichtscheuen Funktionärsgilde, sogar die Befreiung von Steuer- und Visagesetzen zugestanden werden musste. (...)

Nie war der Kommerzdruck gewaltiger und die Chance des Normalbürgers auf einen Stadionbesuch geringer – diese WM erlebt Fußball als geschlossene Veranstaltung. Zehntausende Vips werden bei den Top-Spielen die besten Plätze besetzen.

Wie schon 2002 bei der WM in Asien oder 1998 in Frankreich, als Didier Deschamps, Kapitän der französischen Weltmeisterelf, stöhnte: „Wenn ich den Rasen betrete, sehe ich auf der Tribüne Typen in schwarzen Anzügen, als ob sie zur Beerdigung kommen.“ (...)

Dein Geld in meine Tasche, das ist die reale WM-Botschaft. Populär ist sie nicht.
(...)

Also müssen gewisse Erklärungen aufrechterhalten werden wie die Mär von den unverzichtbaren Sponsoren, ohne die eine WM nicht funktionieren könne. Tatsächlich investieren Steuer- und TV-Gebührenzahler ein Zigfaches, um den Werbefirmen die Bühne zu bereiten.

Oder das Märchen von der Wirtschaftskraft: Das Event geht eher spurlos am Land vorbei, Investitionsschübe liegen im Mikrobereich. Kaufkraft schöpft aber die Fifa ab, die gerade ihr neues Züricher Heim für 240 Millionen Franken bezog. (...)

+ 0 - 0 | § Klaus Allofs is King!

Erstmal vor der WM flott zwei alösefreie Leute für die Problemzonen außen rechts und links geholt. Und jetzt wohl auch noch Diego vom FC Porto. Einfach nur noch gut.

+ 0 - 0 | § Sportlich vebessert

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch: Fabian Ernst! Herzlichen Glückwunsch: Ailton! Herzlichen Glückwunsch: Mladen Krstajic! Herzlichen Glückwunsch zum Champions League Sieg, zur WM-Teilnahme und zu einer Saison voller Anerkennung und Beachtung: Valerien Ismael! Und last but not least: Herzlichen Glückwunsch Kevin Kuranyi!

Wenn man das so sieht, muss man fast glauben, Nutella sei schädlich. Jetzt sitzen sie zu Hause, der Andi, der Kevin, der Benni und löffeln Nutella, grinsen debil vor sich hin und schauen dem Arne zu, wie er auf der rechten Seite abkackt.

+ 0 - 0 | § ... wenn nicht, bist du ein Bastard!

Yo. Das hat gerockt. Was für ein Wochenende. Die arme Teufelsschlange musste Fußball ertragen, aber was soll's. War das geil. Schön den HSV plattgemacht, zwischendurch noch das schöne 3:3 von Gerrard gesehen und dann die Bilder aus Hamburg. Ailton (musse Geld verdienen) aus sieben Metern am leeren Tor vorbei. Mongo-Tanz vor den HSV-Fans wie schon die Bayern letzte Woche. Nur so nebenbei: Werder belegt in der Rückrundentabelle den ersten Platz, mit 34 Punkten. Werder hat in der Rückrunde mit nur 16 Gegentoren die beste Abwehr der Liga gehabt. Noch Fragen? Und trotzdem den besten Fußball gespielt. Und der arme HSV hat kein Geld und kriegt nicht seine Spieler - im Gegenteil, die Ratten verlassen das Schiff. Der geldgeile van Buyten will sich sportlich nach München verbessern (Ismael auf die Bank? Sportliche Herausforderung!), ihren besten Mann (Barbarez - nicht vdV!) schieben sie freiwillig nach Leverkusen ab und Ivan kriegen sie erst recht nicht.

+ 1 - 0 | § Die Wahrheit, part XIV:

Ich habe immer daran geglaubt, dass man im Fußball auch etwas bewegen kann, wenn man die eigene Karriere in der C2 von Bayer Leverkusen beendet und seine Ausbildung an der Universität Köln und nicht beim 1. FC Köln absolviert hat. (Bernd Hoffmann, SZ-Interview)

+ 2 - 0 | § Nur so

Love: the delusion that one woman differs from another. (H. L. Mencken)

+ 1 - 0 | § Praise!

Die Süddeutsche Zeitung zeigt heute mit zwei schönen Artikeln über die FIFA bzw die WM endlich, dass es auch in Doitschland guten (Sport-)Journalismus geben kann. Wahrscheinlich leitet sie damit auch ihren Untergang ein, denn das Imperium wird zurückschlagen. Doitsches Recht gilt ja vom 9.6. an eh nicht mehr.

Bitte, lieber Gott, wenn es dich gibt, lass doch einen schönen Nagelbombenanschlag in der Allianz-Arena beim Eröffnungsspiel geschehen. Oder irgendwas anderes, Vogelgrippe, Pest, etc., damit diese Scheiß-WM (WM steht längst für Werbemarathon und nicht mehr für Weltmeisterschaft) abgesagt wird.

+ 1 - 0 | § Arm, ärmer, FCB

Der Tagesspiegel und die FAZ haben es heute schon ansatzweise richtig erfasst: Bayern hat keine gute Mannschaft, spielt keinen guten Fußball. Der beiden Gründe, warum sie diese Saison Meister werden, lauten: 1) Sie haben einfach mehr Geld und schwächen damit gezielt Konkurrenten (Ismael, Lucio, Ballack, Ze Roberto usw.). 2) Der beiden schärfsten Konkurrenten hatten z.T. lange Ausfälle der Topspieler zu verkraften (Frings, Baumann, Klose, Klasnic, Pasanen, van der Vaart, van Buyten), zusammen mit (1) ergibt das halt weniger Konstanz. Bayern hat es bislang noch geschafft, jedem Spieler, der zu ihnen kam, die Kreativität und Spielfroide zu nehmen. In dem langweiligen Ergebnisfußball gehen sie alle unter, Ze Roberto bspw. oder auch als jüngstes Beispiel ein Schweinebesteiger. Wenn Podolski da wirklich hingehen sollte, dann gute Nacht. Bayern ist schädlich für den Fußball, speziell auch für den deutschen Fußball. Bayern ist immer nur groß mit der Klappe, aber es ist nichts dahinter. Ein Haufen weinerlicher Exprofis, die neidisch auf die europäische Konkurrenz schielen, aber noch zu arm sind, eine Mannschaft zusammenzustellen, die zwei gute Spiele in der Saison macht. Das Sinnbild für all dies ist der Rheuma-Kai.

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