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Flag Return of the Herrenmenschen

Top of Page There and back again - Anreise und weitere Facts

Wir sind von FRA nach Vilnius (VNO) geflogen - der billigste Flug war ein Gabelflug mit Czech Air, um die 300 Oiro, mit zwei Stunden Aufenthalt in Prag. Der Flug an sich war durchaus ok, ein paar Dinge hätte man seinen Kunden aber ruhig vorher mitteilen dürfen. Erstens, daß es ein Code-Share Flug mit Lufthansa ist und deshalb am Terminal 1 in Frankfurt eingecheckt wird. Zweitens, daß bei der tollen doitschen Lufthansa noch mehr Sicherheits-Pinocchio betrieben wird wie bei den anderen Spacken und deshalb das Gepäck vor dem Check-In durchleuchtet werden muß. Naja, Schlange stehen ist ja auch toll. Drittens, daß da drüben eine andere Zeit gilt. Hallo, jemand zu Hause? Wie peinlich ist das denn? Der Flug an sich war ok, Lufthansa halt, es sind ja auch nur ein paar Minuten bis Prag. Glücklicherweise konnte man das Gepäck direkt bin Vilnius durchbuchen und die Boardkarte für den zweiten Teil des Flugs gab es auch schon, so daß wir uns in Prag voll und ganz dem tollen Flughafen widmen konnten. *hust* Naja, dazu unten mehr. Es gibt billigere Möglichkeiten nach Litauen zu kommen: von Hamburg aus bietet Air Lithuania Direktflüge nach Palanga an und von Kiel aus gibt es eine Fähre nach Klaipeda. Aber wir haben's ja.
Geld-technisch gilt das, was immer gilt: nie in D-Land tauschen, sondern mit der EC-Karte (Maestro-Logo) direkt am Flughafen Kohle aus der ATM ziehen. Da kriegt man nämlich einen besseren Kurs als bei den Bank-Abzockern und außerdem hilft häufiges Benutzen der Maschinen vielleicht mit, daß mehr von diesen schmierigen Bankschmarotzern arbeitslos werden. Dann trifft es wenigstens die richtigen. In Litauen gibt es jede Menge Geldautomaten und fast alle akzeptieren VISA und Maestro-Karten. Und auch hier gilt natürlich wie immer: am Automaten immer mit der EC-Karte ziehen, niemals mit VISA, ist viel zu teuer. So ziemlich jedes Geschäft, auch die kleinste Pommes-Bude (die es nicht gibt), akzeptiert VISA, egal für welchen Betrag gekauft wird. Da könnte unsere tolle doitsche Wirtschaft mal noch üben gehen, denn die Akzeptanz von Kreditkarten ist hierzulande, wie so viele andere Dinge, einfach nur peinlich gering.
Eine besondere Würdigung in Form einiger Zeilen verdient sich auch das Taxiwesen in Litauen. Gegeben sei der Normalpreis Pn , den man für eine Fahrt F von A nach B über die Wegstrecke s bezahlt, wenn man in ein wartends Taxi einsteigt (immer drauf achten, daß Taxameter läuft). Ferner sei gegeben der Preis Pr, den man für F(s,A,B) bezahlt, wenn man das Taxi telefonisch ruft. Der naive Laie würde jetzt wahrscheinlich vermuten, daß stets gilt: Pn<Pr - dies ist jedoch völlig falsch. In Wirklichkeit gilt nämlich: Pn ≅ 3 * Pr. Für diejenigen, die nicht so tolle Rechner sind: ein wartendes Taxi ist ca 3 mal so teuer wie ein telefonisch bestelltes: Zum Beispiel kostet ein Taxi vom Viesbutis Uzupio zum Airport kostet gerufen 10LTL, wartend 28LTL. Das verstehe wer will, ich jedenfalls nicht.
Was die Unterkünfte angeht - bis auf Pussynass (s.u.) waren die eigentlich alle ok. Natürlich hat jeder andere Ansprüche, aber selbst die teuren Hotels sind wesentlich billiger als hierzulande. Uns reichte eigentlich ein sauberes Bett und Bad und das gibt es für sehr wenig Geld. Wenn man mal die ganz billigen Schuppen außen vor läßt, die dann doch eher für die wirklichen Hardcore-Backpackers sind, kommt man trotzdem mit ca 60-100LTL für ein Doppelzimmer locker hin. Wenn man länger sucht, vielleicht auch noch billiger, in der Nebensaison sowieso. Apropos Saison, Hauptgedöns ist von Juli-August, da sollte man u.U. vorbuchen, wenn man nicht vor Ort rumsuchen will. Alle unsere Unterkünfte hatte ich über das Internet gebucht und das hat auch alles reibungslos geklappt. In Deutschland würde das zum Einen bei der Hälfte der Hotels nicht möglich sein und bei der anderen Hälfte gäbe es Probleme ohne Ende. Wetten dass ... . Wo ich dann schonmal bei Internet bin ... ich habe auf dem Trip überall ohne Probleme ein billiges Internet-Cafe gefunden ... auch hier können viele doitsche Städte mal noch lange üben gehen. Und wo ich mich grade aufrege: An dieser Stelle möchte ich außerdem äußern, daß der Reiseführer Litauen vom Know-How Verlag absoluter Müll ist. Gäbe es noch Bücherverbrennungen, wäre er und der Sprachführer aus demselben Haus die ersten beiden, die auf dem Scheiterhaufen landen würden. Die für Vilnius und Kaunas erhältlichen In your Pocket-Guides sind auch nur wegen der Karten empfehlenswert, den Rest kann man sich sonstwohin stecken.
Last but not least das Lieblingsthema aller Erdenmenschen seit einiger Zeit: Sicherheit. Egal wo man als Doitscher hinreist, immer gibt es von einigen Personen Warnungen, man würde dort überfallen werden, da ist alles Mafia-controlled und dergleichen mehr. Dabei vergessen diese Leute sehr leicht, daß es in Frankfurt, Köln, Berlin und anderen deutsche Gegenden auch ganz schön herb zugehen kann ... . Litauen ist jedenfalls safe, as safe as it gets jedenfalls. Klar, die Taxifahrer warnen dich, abends zu Fuß nach Hause zu gehen und geben den guten Rat, doch lieber ein Taxi (sic!) zu nehmen. Hierbei bedarf es jedoch keiner Verschörungstheorien, um zu erkennen, welche Intention dahinter steckt. Generell gilt eigentlich mein Appell: Steckt euch doch alle eure Hosenscheisserei, euren Sicherheits-, Kontroll-, Polizei- und Kamerawahn in euren Hasenärsche, bleibt zu Hause in eurem Spießerviertel und spielt Bürgerwehr.


Top of Page Flughafen Prag

Aaaargh! Zwei Stunden Aufenthalt auf dem wohl langweiligsten Flughafen der Welt. Grausam. Da hat der tolle Kapitalismus wohl noch nicht so ganz das Glitzerparadies gebracht, Mr. Havel? Das einzig tolle war, daß es einen Souvenir-Shop mit einem Riesen-Maulwurf gab ... und deshalb gibt es auch ein Photo von mir und dem legendären tschechischen Maulwurf. Something to write home about, eh?


Top of Page Vilnius

24.8.-25.8. 2003 & 02.09.-03.09.2003

Vilnius begann mit dem Flughafen, der schon ein Erlebnis für sich ist. Wäre ich 20 Jahre älter, würde ich das Wort 'pittoresque' benutzen, um die arrival hall zu beschreiben. Wäre ich 15 Jahre jünger oder weiblich könnte ich das Wort niedlich verwenden. So muß ich mich auf Vokabeln wie überschaubar (und das ist ausnahmsweise nicht euphemistisch gemeint) und interessant beschränken. Die departure area sieht da schon anders aus, nämlich wie jeder andere Flughafen auch, insofern war das Ankommen wirklich besser als das Abreisen. Zur Abreise am Ende noch mehr.
Vilnius selbst ist eine sehr schöne Stadt mit viel Charme, der sich vor allem aus der interessanten Mischung aus verschiedenen Architekturstilen, kleinen Gäßchen, großen Kommerzmeilen, belebten Plätzen und klassischen Betonwüsten ergibt. Die Altstadt ist wirklich nett und lecker Essen gibt es auch fast überall.
Abgestiegen waren wir im "Viesbutis Uzupio", einem billigen, aber sauberen Ho(s)tel, das zudem auch günstig gelegen ist: 5 min Fußmarsch bis zur "Res Publika Uzupio", 10 min bis zur Innenstadt/Altstadt. Da kann man nicht meckern, auch nicht als Doitscher. Lustig war das Zimmer: in den Raum hinein war nämlich eine Art Verschlag/Wandschrank aus Preßspanplatten gebaut, in dem sich das Bad befand. Das war alles sehr neu und sehr sauber, es bleibt jedoch abzuwarten wie das Holz nach ein paar Monaten Feuchtigkeit aussieht, vor allem weil auch keine wirkliche Lüftung existiert. Ist aber nicht mein Problem, vielleicht wollen die nächstes Jahr in den Handel mit Antibiotika einstiegen. Sehr interessant auch die Preispolitik: zahlten wir für die Übernachtung im August (Hochsaison) 100LTL inkl. Frühstück, so wollte die Russenmama von der Rezeption im September (Nebensaison) auf einmal 20LTL extra für's Frühstück. Da dieses aber eh nicht so spektakulär war haben wir das Restgeld lieber in einem Cafe verballert. Man sollte generell immer auf seinen Buchungsbestätigungen beharren, wenn die Kinder versuchen, den Preis zu erhöhen. Auch die Taxi-Preise haben eine Tendenz, für Deutsche plötzlich doppelt so hoch zu sein.
Daß die Litauer leicht verrückt sind, zeigt sich nicht nur an der lustigen Sprache mit den vielen Akzenten über, neben und unter den Buchstaben, sondern auch an oben bereits erwähnter "Res Publika Uzupio". Es ist mir übrigens zu anstrengend, die ganzen Codes für die Sonderzeichen rauszusuchen, deshalb erscheinen alle litauischen Namen hier eben ohne, so furchtbar wichtig sind sie nämlich nicht und ich bin ja eh ein ignoranter Arsch. Zurück zur Republik Uzupio: um das Gebiet herum fließt Wasser, deshalb ist es quasi eine Insel, auch wenn das Wasser an vielen Stellen bequem übersprungen werden kann. Jedenfalls gibt es nur 5 Brücken und da leben viele Künstler und die sind alle total easy locker drauf und intelektuell usw. und haben einen Freundschaftsvertrag mit Montmartre und ... ohh, ist mir langweilig, die Blumen wachsen gleich aus dem Arsch. Das könnt ihr ja alles in irgendwelchen beschissenen Reiseführern nachlesen. Hab keinen Bock auf linksliberales Lobgehudel. Ist ganz nett zum durchlaufen. In der "Uzupio Kavine" kann man auch gut essen und trinken, wenn das Ding sich denn mal an die Öffnungszeiten hält.
Jetzt kommt eine dieser Stellen im Text, wo sich mancher vielleicht wünscht, sie wäre in einem Extra-Kapitel unter "Allgemeine Tips" oder ähnlichem Unsinn gelandet. Read or die, heißt es hier dagegen. Ratschlag Nummer eins ist, niemals mit einer frisch verliebten Frau in Urlaub zu fahren, denn diese benimmt sich wie ein Teenager in grausamen amerikanischen HighSchool-Filmen und schwebt auf rosa Wölkchen durch's Land. Und dann dieser SMS-Klingelton, wenn der Liebste sich meldet - einfach süß. Um die durch die Emotionen noch stärker auftretenden Schwankungen des weiblichen Hormonhaushaltes auszugleichen, mußte natürlich so ziemlich jedes Geschäft mit einem Besuch beehrt werden. Zum Glück beherrscht der Autor dieser Zeilen die lebensrettende Fähigkeit des "switch-to-robot-mode" und konnte diese schwierige Zeit ohne Folgeschäden meistern. Es war aber putzig, schade nur, daß ich keine Kamera dabei hatte, da hätte man eine tolle Sendung draus machen können. Genug der Lästerei, traurig genug, daß es immer noch Menschen gibt, die Gefühle zeigen - dies ist nicht nur unsere Aufgabe als doitsche Staatsbürger. Wir sollen lediglich funktionieren, damit sich ein paar Leute den neuen Maybach leisten können. I'm digressing, back to Lithuania and its people. Many people are perhaps wondering how did we communicate over there? Schließlich hat uns die Propaganda seit Ende des zweiten Weltkriegs die Unterlegenheit der kommunistischen Rasse eingebleut und als normaler Westbürger geht man sicherlich davon aus, daß "die" alle russisch sprechen. Nun, die Russen sprechen russisch und die meisten Litauer auch - wenn auch viele jüngere inzwischen Englisch statt Russisch lernen. Die unter 25-jährigen sprechen meist Englisch, auf der kurischen Nehrung sprechen einige Deutsch und alle sprechen Litauisch. Die Sprache ist gar nicht so schwer, wie es zuerst den Anfang hat - die einfachen Dinge wie "Danke", "Bitte", "Wo ist das Klo" und "Was fandet ihr besser - deutsche oder russische Besatzung?" hat man schnell drin. Im Gegensatz zu Franzosen und Doitschen sind die Litauer auch für kleine Zeichen des guten Willens dankbar und honorieren es, wenn man sich an ihrer Sprache versucht. Dann können sie auch meistens ein paar Brocken Englisch. *g* Daß meine Begleiterin, die ich hier einfach mal Daphne nennen will, Russisch konnte, war natürlich auch sehr hilfreich, auch wenn es nicht sehr taktvoll von ihr war, immer genau die Leute auf russisch anzusprechen, deren Verwandte im Gulag endeten. Aber so sind sie halt, die Schlangen.
In Litauen ist es übrigens gesetzlich verboten zu Lächeln und zu Grüßen, dafür ist anrempeln und vor allem das Überfahren von Fußgängern ein Nationalsport.

Ein echtes Highlight gab es dann noch zum Schluß, bei der Abreise. Wir waren früh am Airport und hatten jede Menge Zeit ... genügend Zeit jedenfalls um zu erkennen, daß das Reisebüro bei der Ticketausstellung die Zeitverschiebung verpeilt hatte. Peinlich, aber wahr. Naja, da ich meinen zum Abholer degradierten Mitbewohner nicht unbedingt eine Stunde umsonst am Flughafen warten lassen wollte, beschloss ich, ihn anzurufen und ihm zu sagen, daß wir eine Stunde später landen. So nett bin ich nunmal. Sehr schnell stellte ich fest, daß es nur Kartentelefone im Flughafen gab. Mein Weg führte mich also zunächst zum Info-Schalter, die verwiesen mich an das Post-Office im Flughafen. Und die beiden Damen dort erzählten mir dann allen Ernstes, man könne vom Vilnius International Airport aus keine internationalen Telefongespräche führen. Trotz mehrmaliger Nachfrage beharrten sie darauf, daß die Telefonkarten, die sie zum Verkauf anboten, nicht zum Führen von Auslandsgesprächen geeignet seien. Hmmm. Als guter, ehrlicher und wirklich stolzer Deutscher führte der nächste Weg ins Lufthansa-Büro, zu zwei bezaubernden Damen. Die schauten mich auch erstmal ungläubig an und einer der beiden Engel erhob sich alsdann, um mit mir die Sache bei der Post zu klären. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell die Schlangen mit diesen Pfennigabsätzen laufen können ... . Wieder in der Post gab es erstmal einen Anschiss auf litauisch vom Engel an den Post-Teufel. Dieser verkaufte mit daraufhin eine Karte im Wert von 50LTL für 10LTL - ob das die Wiedergutmachung war? Keine Ahnung, jedenfall funktionierte das Telefonieren prima, ich konnte meinem Schatz auf die Mailbox labern und hatte auch nur 7LTL oder so dafür verhupt. Die Karte habe ich dann bei den beiden Schätzchen im Lufthansa-Büro deponiert - für bedürftige Reisende. Falls man also eine Telefonkarte benötigen sollte, ins Büro der Lufthansa laufen und dort nachfragen.


Top of Page Kaunas

25.8.-27.8. 2003

Das Reisen innerhalb von Litauen erledigt man am besten mit dem Bus - das ist schnell und preiswert. Man sollte zusehen, daß man für die Strecken zwischen den Städten jeweils einen Express-Bus (ekspresas) bucht, die sind wesentlich schneller als die normalen Busse. Die Strecke Vilnius-Kaunas kostet per Express-Bus gerade mal 11.50LTL und die Fahrt dauert ca 1h20m. Der Busbahnhof in Vilnius befindet sich direkt am Bahnhof (stotis), der in Kaunas liegt ca 10min Fußmarsch vom Zentrum entfernt. Wir waren im Hotel Metropolis abgestiegen, das liegt right in the Fußgängerzone,das Personal ist nett, spricht englisch und die Zimmer sind ok, Top Preis/Leistungs-Verhältnis. Das Frühstück wird in einem anderen Hotel (Tarije Neris oder so, ca 3min Fußmarsch) serviert und das hat richtig gerockt: fetter Saal, mit tausenden Kronleuchtern, Sesseln, Couches, gutem Büffet und einem Pianisten. So lob ich mir das.
Daphne, meine Begleiterin, schafft es erst am dritten Tag ihre Frisur in den Griff zu kriegen. Erfreute sie in Vilnius die dortigen Passanten mit einigen gewagten Locken, so schaffte sie es in Kaunas schließlich, original authentisch typisch litauisches Haarwachs (das garantiert von der litauischen Hausfrau benutzt wird) zu erwerben und auf diese Weise wieder nett und adrett auszusehen. Die dadurch freigewordene Energie nutzte sie, mich in einen Kinofilm zu nötigen ... . Ich bin eigentlich Cineast, aber das war dann doch zu hart für mich - "What a girl wants" hieß das Machwerk und es war noch grausamer, als der Titel vermuten läßt.
Deshalb muß ich schnell wieder zu angenehmeren Dingen zurückkehren. Essen zum Beispiel. Die Gastronomie in Kaunas kann man nur als sehr gut bezeichnen. Empfehlenswert das Restaurant "Metropolis", welches überraschenderweise neben dem gleichnamigen Hotel liegt. Die haben neben einer recht großen Auswahl leckerer Gerichte und frischgepresster Säfte mein Herz vor allem mit selbstgemachter Icecream erobert. Sowas finde ich einfach unglaublich sexy. Neben der Gastronomie ist Kaunas aber teilweise auch eine recht schöne Stadt, die Fußgängerzone wirkte irgendwie parisisch auf mich und es gibt ein cooles Museum. Das ist eine Seltenheit, sind Museen doch meistens todlangweilig, aber in Litauen wird dem Teufel gehuldigt und das Teufelsmuseum von Kaunas ist Pflicht für alle Satanisten. Ich konnte dort zwar keine Messe feiern, da ich grade keine Kinder zum Opfern dabei hatte, aber auch so waren einige der dort ausgestellten Gegenstände und Gemälde mit Teufelsmotivik sehenswert.


Top of Page Klaipeda

27.8.-30.8. 2003

Nach zwei Tagen Kaunas im Regen ging es dann per Bus weiter nach Klaipeda. Auf deutsch heißt die Stadt Memel und einen Führerbalkon gibt es dort auch. Also für jeden mit patriotischer Gesinnung ein Pflichtziel. Aber auch für Menschen, denen Deutschland am Arsch vorbeigeht, kann sich der Besuch dort lohnen und so haben wir denn auch drei Tage in Klaipeda verbracht. Abgestiegen war wir im Hotel Parkas, das zwar teurer als die Hotels in Kaunas und Klaipeda, dafür aber auch etwas luxuriöser (Handtücher, "modernes" Bad, große Zimmer) und nicht so zentral gelegen war. Zum Glück sind die Busse billig (1,50LTL) und fahren alle 10 Minuten. Parkas-Innenstadt wird von den Linien 3 und 15 erledigt, diese Minibusse haben keine Haltestellen, man winkt sie einfach vom Straßenrand heran. Klaipeda ist das Tor zum Meer und hat einen richtig häßlichen Hafen, der die Uferpromenade versaut. Von dort aus fahren auch die Fähren auf die Kurische Nehrung ab, nach Palanga ist es eine halbe Stunde und wir dachten, das sei eine ideale Operationsbasis. Dumm nur, daß es weiterhin regnete und zwar nicht zu knapp. Also nix mit Strand, dafür aber ein nettes Restaurant entdeckt - die absolute Top-Empfehlung. Das Ding heißt "El Dorado" (H. Manto gatve 44/2) und liegt an dem Platz mit dem Mazvydas-Denkmal. Es gibt dort richtig gutes Essen und vor allem: richtig nette und zuvorkommende Bedienung. Also ganz und gar un-östlich. Man fühlt sich einfach wohl ... will man den Jungs und Mädels dort eine Freude machen, sollte man etwas litauisches ordern. Lithuanian Bread zum Beispiel stopft sehr gut. Das Restaurant ist auf jeden Fall ein must-visit in Klaipeda. Ansonsten kann man noch einen Abstecher nach Smiltyne machen (die Fähre kostet auch nur 1,50LTL), dort gibt es ein okayes Meeresmuseum und Delphinarium. Weniger empfehlenswert ist das Kino - das ist auf Taubheit der Besucher programmiert. Scheinbar denken die sich: Hey, wir haben einen Miniraum und eine scheiß Leinwand, dann drehen wir wenigstens den Sound so laut, daß nachher alle taub sind. Auch eine Möglichkeit, die Kunden zu vergraulen, das Cinemaxx praktiziert es in Trier ja ebenfalls. Toll auch, daß die Litauer immer den Abspann abscheiden - sobald die ersten Credits rollen, wird abgeschaltet, Licht an und raus mit den doofen Besuchern.


Top of Page Kurische Nehrung (Juodkrante und Nida)

30.8.-1.9. 2003

Juodkrante ist ein kleines Kaff mit ein paar hundert Einwohnern und liegt etwa in der Mitte der Nehrung. Sehr verschlafen, aber süß und ruhig. Eindringlich abraten möchte ich vom Hotel Pusynas, das ist extremely siffig und absolut nicht lecker. Deshalb haben wir uns kurzerhand ins Hotel Azuolynas einquartiert - eigentlich gar nicht unsere Preisklasse, aber die off-season Preise sind ein Witz für doitsche Verhältnisse, es ist modern, sauber und hat all mod cons, für die, die's brauchen. Das Frühstück war nix besonderes und irgendwie etwas lieblos. Naja, das mit dem Service müssen wir eben noch üben. Ansonsten ist in Juodkrante nicht viel gebacken, der Strand ist geil, aber es hat natürlich geregnet. Gastronomie-technisch sieht es auch eher dürftig aus ... die Dinger im Ort sind eher Durchschnitt bis Tabellenkeller. Einzig das Restaurant im Hotel Flora (Kalno g. 5, zu erkennen an Carlsberg-Werbung) sah gut aus, auch von der Karte her ... war aber an dem Abend unseres Besuches schon komplett von einer Reisegruppe ausgebucht.
Wir haben dann auch noch einen Trip nach Nida gemacht und ich kann nur sagen: es lohnt sich nicht. Das ist Tourismus pur, voller alter Leute, vor allem Deutsche. Sehr teuer auch, im Vergleich zu Rest-Litauen. Nicht zu empfehlen sind die Restaurants/Cafes Pastoge und Pasiure - das Essen hier war nicht so frisch und gut wie sonst eigentlich überall anders, die Portionen waren kleinen, dafür aber teurer und irgendwie fühlte man sich doch sehr massenabgefertigt.


Top of Page Palanga

1.9.-2.9. 2003

Palanga ist von Klaipeda sehr einfach zu erreichen, man nehme einfach einen der zahlreichen Busse und ist in ca 30min dort. Ich hatte über das Internet das Hotel Baltoji-Vyturys gebucht und, naja. Es ist sauber und preiswert, soviel zu den guten Eigenschaften. Aber es erinnert doch sehr stark an ein Sanatorium und ist wohl auch eins, der sehr charmanter Betonklotz-Bau tut sein übriges zur doch eher drückenden Atmosphäre. Irgendwie hatte man städnig Angst, daß man gleich zur Behandlung abgeholt würde ... . Anyway, we survived und Palanga selbst besticht durch eine krude Mixtur: es gibt sehr viele schöne, stilvolle Restaurants, aber zwischendrin auch absolut billiges und schrottiges Entertainment-Kitsch-Zeuch, was einem hier nur auf einer dreckigen Dorfkirmes auflauert. Der Ort muß in der Hochsaison wohl auch grausam voll sein und ekelhaft partymäßig abgehen, aber Anfang September im Regen war alles ruhig. Essenstechnisch kann ich Cili Pica (große Auswahl) und Monika (nettes Interieur, leckere Milkshakes, ital. und litauische Küche) empfehlen. Keine Besuch lohnt dagegen das Boogie Woogie: Während die Filiale in Kaunas noch mit einem herrlichen Yoghurt-Dessert glänzen konnte, ist die Auswahl hier doch deutlich kleiner. Und irgendwie ist es auch nicht so lecker, wahrscheinlich kriegen die nur die Reste aus Kaunas. Die Rückfahrt nach VNO war dann wieder eine Demonstration für das gute litauische Busnetz ... wieso sind die tollen Doitschen eigentlich zu doof für sowas? Egal, Palanga-Vilnius kostet 43LTL, die Fahrt dauert 4 1/2 Stunden incl. Pause und die Busse sind ok. Fuck The German Transport System.
Abschließend läßt sich nur sagen: Litauen geil! Preiswerte Hotels, leckeres, bezahlbare Essen, schöne Strände und ein interessantes Land. Fahrt hin, ehe es malle-isiert wird oder die EU alles plattgemacht hat ... .

Top of Page Three feet high and rising - Adressen and stuff


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